Die Story von Leichtes Kochen
Wie aus einer Abschluss-Arbeit ein ganzes Unternehmen wurde.
Eine Frage, die alles ins Rollen brachte
Die Geschichte von Leichtes Kochen beginnt nicht in einer Küche. Sie beginnt mit einer Frage: Kann Design in Leichter Sprache nicht nur verständlich, sondern auch schön sein? Genau diese Frage beschäftigte Deborah Keser schon während ihrer Bachelorarbeit. Sie wollte herausfinden, wie Leichte Sprache Design aussehen kann, das Menschen mit Lernschwierigkeiten unterstützt – und gleichzeitig so ansprechend ist, dass es für alle Menschen interessant ist.
Eine Idee nimmt Gestalt an
Nach einigen Jahren Berufserfahrung in einer Kölner Agentur begann Deborah 2018 ihr Masterstudium im Kommunikations-Design an der Hochschule Düsseldorf.
Gleich im ersten Semester führte sie ein Kurs mit dem PIKSL Labor Düsseldorf zu einem Thema, das sie nicht mehr loslassen sollte: Gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigungen sollte ein Produkt entwickelt werden.
Hier lernte sie Elisabeth Herrmann kennen. Elisabeth arbeitete im PIKSL Labor, malte sehr gerne und hatte ein besonderes Talent dafür, Dinge einfach und verständlich darzustellen. Die beiden malten viel gemeinsam und entwickelten schließlich ein Rezept für Ratatouille. Und plötzlich wurde aus einer theoretischen Designfrage etwas ganz Konkretes:
Wie muss ein Rezept gestaltet sein, damit jemand es wirklich verstehen und danach kochen kann?
Ein Rezept. Viele Perspektiven.
Die Zusammenarbeit mit Elisabeth veränderte Deborahs Blick auf Gestaltung.
Elisabeth konnte selbst nicht lesen und kochen. Für Deborah bedeutete das, genau hinzuschauen und zuzuhören: Was funktioniert? Was ist verständlich? Wo wird etwas kompliziert?
Das Rezept wurde immer wieder ausprobiert und verändert. Jessica Engels, Sonderpädagogin und Freundin von Deborah, testete es mit ihren Schüler:innen. Auch gemeinsam mit der IGL gGmbH wurde das Rezept in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung ausprobiert.
Was gutes Leichte Sprache Design braucht
2022 wurde das Konzept im Rahmen der Masterarbeit grundlegend überarbeitet. Jetzt ging es nicht mehr nur um die Frage, was verständlich ist. Es ging auch darum, wie verständliche Inhalte gestaltet werden können.
Schrift, Layout und Fotografien wurden neu entwickelt. Dabei bekam Deborah wertvolle Unterstützung von Claudia Laubach, Heilerziehungspflegerin, und Jessica Engels, Sonderpädagogin. Gemeinsam entwickelten sie das Layout weiter und erarbeiteten neue Zeichen. Aus ersten Ideen wurde ein ganzes Gestaltungssystem. Fünf Rezepte entstanden – und wurden anschließend an verschiedenen Schulen und Einrichtungen getestet. Was noch nicht funktionierte, wurde verändert.
Denn gutes Leichte Sprache Design entsteht nicht am Schreibtisch allein. Es entsteht im Austausch mit den Menschen, für die es gedacht ist.
Vom Masterprojekt zur Gründung
Mit ihrer Abschlussarbeit bewarb sich Deborah für den Eyes & Ears of Europe Award und wurde im Bereich New Talents als eine von fünf Personen nominiert. Doch damit war die Geschichte noch lange nicht zu Ende.
Rund sechs Monate später stand die Entscheidung fest: Das Projekt soll weitergehen. 2023 bewarb sich Deborah für das Gründungsstipendium NRW – und überzeugte die fünfköpfige Jury von ihrer Idee. Mit der zwölfmonatigen Förderung bekam Leichtes Kochen die Möglichkeit, weiterzuwachsen.
In dieser Zeit entstand diese Website, ein eigenes Logo und viele neue Rezepte. Deborah knüpfte neue Kontakte, besuchte Gründungsveranstaltungen und entwickelte die Idee weiter.
Und heute?
Aus einer Frage im Studium ist ein Projekt geworden, das Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenbringt.
Und aus einer Masterarbeit wurde Leichtes Kochen. Das Ziel ist dabei geblieben:
Rezepte so zu gestalten, dass sie verständlich sind, Spaß machen und Lust aufs Kochen wecken.
Denn Leichte Sprache muss nicht langweilig aussehen.

